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Columbine

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Eines der schlimmsten Massaker, das jemals von SchĂŒlern begangen wurde, ereignete sich in Littleton (Colorado) am 20. April 1999. Eric Harris (18 Jahre) und Dylan Klebold (17 Jahre) erschossen an diesem Tag in der Columbine High School zwölf ihrer MitschĂŒler sowie einen Lehrer. Sie verletzten 24 weitere Menschen. Nach den Morden töteten sie sich selbst. Sie starben in der Schulbibliothek neben zehn SchĂŒlern, die sie erst wenige Minuten zuvor ermordet hatten.

Dylan Klebold und Eric Harris

Dylan Klebold und Eric Harris

Aufzeichnungen von Eric Harris zeigen, dass das seit einem Jahr vorbereitete Blutbad sogar noch grausamer und umfassender geplant gewesen war, als es tatsĂ€chlich ausgefĂŒhrt wurde (vgl. Berliner Zeitung 1999). UrsprĂŒnglich hatten die beiden Jugendlichen vor, die Familien zweier ihrer MitschĂŒler auszulöschen, dann zu ihrer Schule zu fahren und dort mindestens 500 weitere SchĂŒler zu ermorden. Dann wollten sie nahe gelegene WohnhĂ€user angreifen. Im unvorhergesehenen Fall, dass sie selbst ĂŒberleben wĂŒrden, wollten sie versuchen ins Ausland zu entkommen. Falls das nicht gelingen wĂŒrde, hatten sie vor ein Flugzeug zu entfĂŒhren und in New York abstĂŒrzen zu lassen, um noch mehr Menschen zu töten (vgl. Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 427f.). Aber in den Tagen und Wochen vor dem Angriff muss ihnen die AbsurditĂ€t dieses Vorhabens selbst klar geworden sein. Ihre selbstangefertigten VideobĂ€nder machten deutlich, dass sie die Absicht hatten, in ihrer Schule zu sterben. Zuvor wollten sie so viele SchĂŒler wie möglich töten (vgl. Lowe 2000).

Über die von ihm beabsichtigte Wirkung des Massakers schrieb Harris folgendes:

    “itll be like the LA riots, the oklahoma bombing, WWII, vietnam, duke and doom all mixed together. maybe we will even start a little rebelion or revolution to fuck things up as much as we can. i want to leave a lasting impression on the world.” (Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 427; die Rechtschreibfehler entsprechen dem Original)

Bis zum 20. April 1999 fertigten sie rund 100 Bomben an, von denen sie 90 in die Schule mitnahmen. 30 ließen sie dann auch tatsĂ€chlich explodieren. Durch eine Reihe von glĂŒcklichen UmstĂ€nden wurde kein einziger SchĂŒler jedoch durch eine von ihnen ernsthaft verletzt oder gar getötet (vgl. Lowe 2000; Jefferson County Sheriff’s Office Report 2000).

Wenige Minuten vor der Schießerei stellten sie unbemerkt zwei zehn Kilogramm schwere Bomben in die Schulcafeteria. Per ZeitzĂŒnder sollten sie um Punkt 11 Uhr 17 zur Explosion gebracht werden - zu einem Zeitpunkt, an dem sich eine möglichst große Anzahl von SchĂŒlern in dem Raum aufhielt. Anschließend hatten sie vor, die Überlebenden des Anschlags beim Herauslaufen aus dem SchulgebĂ€ude zu töten. Auch in einem ihrer Autos hatten sie eine Zeitbombe installiert. Diese sollte spĂ€ter EinsatzkrĂ€fte der Polizei töten. Wenn die beiden Bomben in der Cafeteria wie geplant explodiert wĂ€ren, wĂ€ren möglicherweise viele der 488 SchĂŒler, die zu diesem Zeitpunkt dort anwesend waren, getötet worden (vgl. CNN.com 2000).

Da ihre Bomben jedoch eine Fehlfunktion hatten, mussten sie ihre PlĂ€ne Ă€ndern. Sie gingen zur Schule zurĂŒck und erschossen zwei SchĂŒler auf ihrem Weg dorthin. Dann eröffneten sie das Feuer auf SchĂŒler, die sich im GebĂ€ude befanden. Sie schrien: „This is what we always wanted to do. This is awesome!“ und lachten, wenn SchĂŒler vor ihren SchĂŒssen davonliefen.

Besonders zynisch und grausam verhielten sie sich in der Schulbibliothek. Kurz bevor die beiden Killer den Raum betraten, hatten sich die meisten der 52 dort anwesenden SchĂŒler auf Anweisung der Lehrerin Patti Nielson schon unter ihren Tischen versteckt (ibid.). Dies half ihnen jedoch nur wenig. Als Eric Harris die 17jĂ€hrige Cassie Bernall entdeckte, sagte er zu ihr: “Peekaboo!” - so wie man kleine Kinder erschreckt. Dann bĂŒckte er sich, presste ihr den Lauf seiner Schrotflinte ins Genick und drĂŒckte ab. Beim ZurĂŒckschlagen der Waffe brach er sich selbst die Nase (ibid.; vgl. auch BrinkbĂ€umer 2000).

Innerhalb von nur siebeneinhalb Minuten töteten sie in der Bibliothek zehn SchĂŒler und verletzten zwölf weitere. Dann verließen sie den Raum und gingen zur Cafeteria. Harris versuchte dort die zwei nicht detonierten Bomben mit seiner Schrotflinte zur Explosion zu bringen. Nachdem dies misslungen war, kehrten sie zur Bibliothek zurĂŒck. Von einem Fenster aus eröffneten sie das Feuer auf Polizisten und SanitĂ€ter, welche verwundete SchĂŒler retten wollten. Dann zĂŒndeten sie das letzte Mal ein Molotowcocktail an und töteten sich durch SchĂŒsse in den Kopf (vgl. CNN.com 2000).

Cafeteria

Eric Harris und Dylan Klebold in der Schulcafeteria

Nach dem Massaker stellte die Polizei fĂŒnf VideobĂ€nder sicher, die von den zwei Mördern angefertigt worden waren. Auf einem von ihnen sagten sie, dass sie der ganzen Menschheit den Krieg erklĂ€rt hĂ€tten. Harris fuhr fort: „This is just a two-man war against everything else.“ Durch ihre Tat wollten sie eine “Revolution” starten und im ganzen Land bekannt und berĂŒhmt werden (vgl. Lowe 1999; Gibbs/Roche 1999).

In einem Film, den sie am 15. MĂ€rz 1999 in Harris’ Kellerzimmer gedreht hatten, stellten sie auch ihr Waffenarsenal vor. Dies beinhaltete neben halbautomatischen Waffen, abgesĂ€gten Schrotflinten und Rohrbomben auch mehrere Kampfmesser. Auf einem dieser Messer war ein Hakenkreuz eingeritzt (vgl. Luzadder et. al. 1999). Ihr VerhĂ€ltnis zu Nazis beschrieben sie mit den Worten: “Gotta love the Nazis. Nazis are so efficient“ (vgl. Lowe 1999).

Den eigentlichen Anstoß, das Verbrechen auszufĂŒhren, dĂŒrfte Eric Harris geliefert haben. Er war von den beiden TĂ€tern derjenige, der das Sagen hatte und die entscheidenden Impulse gab. Harris stammte aus einer MilitĂ€rfamilie, sein Vater war bei der US Air Force gewesen. Zu einem Klassenkameraden sagte er, dass er vorhabe, im Kosovo zu kĂ€mpfen. Da ihn Bomben und Explosionen faszinierten, wollte er dort am liebsten an vorderster Front kĂ€mpfen und “eine Menge Leute töten”. Er hatte sich sogar schon fĂŒr das US Marine Corps beworben. Aber am 15. April 1999 teilte der Werbungsoffizier seiner Familie mit, dass die Marines ihn abgelehnt hĂ€tten. Der Grund dafĂŒr war, dass Harris abhĂ€ngig von der Medizin „Luvox“ war, einem Antidepressivum. Die Ablehnung könnte den letzten Ausschlag gegeben haben, seine grausamen Phantasien in die Tat umzusetzen (vgl. Bartels/Crowder 1999).

Sowohl Harris als auch Klebold waren zu Beginn des Massakers in langen schwarzen Trenchcoats in ihrer Schule erschienen, hauptsĂ€chlich um ihre Waffen besser verstecken zu können. Seit 1996 waren sie mit einer Gruppe von etwa einem Dutzend Jugendlichen befreundet, die den Spitznamen „Trench Coat Mafia“ erhalten hatte. Sie waren nicht Mitglieder dieser Gruppe, aber sie trugen die gleiche Kleidung: Lange, dunkle Trenchcoats, schwarze T-Shirts und Hosen sowie Kampfstiefel. Sie hörten sich auch die gleiche Musik an: Dunklen, dĂŒsteren Industrial Metal von Bands wie Rammstein und KMFDM. Wegen ihres seltsamen Auftretens waren die Mitglieder dieser Gang und ihre Freunde regelmĂ€ĂŸigem Spott durch ihre Schulkameraden ausgesetzt.

Die Mitglieder der „Trench Coat Mafia“ wurden besonders von den „Jocks“ schikaniert. Dies war eine Gruppe athletischer Jugendlicher, die der Schulelite angehörten. Die „Jocks“ versperrten ihnen den Weg, beschimpften sie, warfen sie gegen Schulspinte und schleuderten Dosen, Tassen und Essen auf sie. Manchmal warfen sie sogar Steine aus ihren Autos auf sie (ibid.). Ein Mitglied der ehemaligen „Trenchcoat Mafia“ Gang beschrieb in einem wenige Tage nach dem Massaker gemachten Interview das Leben in seiner Schule als „pure Hölle“. Seinen Äußerungen zufolge wurden Harris und Klebold ebenfalls tyrannisiert. Weil Harris schwĂ€cher als Klebold war, musste er mehr leiden (vgl. Greene 1999). Zeugenaussagen bestĂ€tigten spĂ€ter, dass das Schikanieren von SchĂŒlern an der Columbine High School ein alltĂ€gliches PhĂ€nomen war, welches die Schulverwaltung ignorierte (vgl. Pankratz 2000).

Die permanenten DemĂŒtigungen mĂŒssen beim psychisch labilen Harris den Eindruck erweckt haben, dass die ganze Welt gegen ihn sei. Auf seiner Website kĂŒndigte er an, dass er eines Tages bis zu den ZĂ€hnen bewaffnet erscheinen und alles und jeden töten werde:

    “...im comin for EVERYONE soon, and i WILL be armed to the fuckin teeth and i WILL shoot to KILL and i WILL fucking KILL EVERYTHING!... My belief is that if I say something, it goes. I am the law, if you don’t like it, you die. If I don’t like you or I don’t like what you want me to do, you die... So thats the only way to solve arguments with all you fuckheads out there, I just kill! God I cant wait till I can kill you people...” (vgl. Acolumbinesite.com 2006; die Rechtschreibfehler entsprechen dem Original)

Die Eltern eines auf Harris’ Website bedrohten SchĂŒlers (Brooks Brown) waren im MĂ€rz 1998 auf die Hass-Pamphlete aufmerksam geworden und schickten einen 12seitigen Ausdruck an die örtliche Polizei. Doch nichts geschah. Obwohl Harris auf seiner Seite sogar detailliert schilderte, wie Rohrbomben angefertigt werden, verschwand die Akte in der Schublade eines Polizeidetektivs. Einen Monat spĂ€ter nahm Harris einige seiner Seiten dann vorsichtshalber selbst vom Netz. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon die ersten Bomben angefertigt. Auch dies schilderte er auf seiner Homepage (vgl. Bartels/Crowder 1999; Poley 1999).

Harris und Klebold besuchten in ihrer Schule Deutschkurse und sprachen Klassenkameraden zufolge viel ĂŒber den Zweiten Weltkrieg, Hitler und die Nazis. Wenige Wochen vor dem Massaker sollen sie „Sieg Heil!“ und „Heil Hitler“ in ihrer Bowlingklasse gebrĂŒllt und ihre Arme zum Hitlergruß erhoben haben. WĂ€hrend seiner Unterrichtsstunden trug Harris neben seinem Trenchcoat manchmal Stahlkappenschuhe und ein Deutsches Kreuz. Am Tag des Überfalls hatte er ein weißes T-Shirt an, auf dem die zynischen Worte „Natural Selection“ standen. Dies war kein Zufall. Auf seiner Website hatte er sie als das Beste bezeichnet, was der Erde jemals widerfahren sei (vgl. Bartels/Crowder 1999; Cullen 1999).

Als Vollstrecker der “natĂŒrlichen Auslese” hatte er sich selbst und Klebold auserkoren. Dies geht aus einem in seinem Zimmer gefundenen Dokument (NBK.doc) hervor:

    “I would love to see all you fuckheads die. NBK. I love it! sometime in April me and V will get revenge and will kick natural selection up a few notches.” (Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 427)

Auch in seinem Tagebuch, das bezeichnenderweise mit den Worten „I hate the fucking world” anfing, finden sich sozialdarwinistische Aussagen (ibid.: 84). Am 21. April 1998 machte er zum Beispiel folgenden Eintrag:

    “I will sooner die than betray my own thoughts. but before I leave this worthless place, I will kill whoever I deem unfit for, anything at all, especially life. and all you pissed me off in the past, you will die if I see you...” (ibid.: 88)

In dem Tagebuch zog Harris direkte Vergleiche zwischen sich und den Nazis. WÀhrend die Nazis vorhatten, alle Juden zu töten, wollte er alle Menschen umbringen. Harris wörtlich:

    “If you recall your history the Nazis came up with a ‘final solution’ to the Jewish problem: kill them all. well incase you havent figured it out yet, I say ‘Kill mankind.’ no one should survive.” (ibid.: 91)

Aber weil das Töten aller Menschen nicht durchfĂŒhrbar ist, beschrĂ€nkten er und Klebold ihre Aggressionen auf den Ort, wo sie die meisten DemĂŒtigungen erleiden mussten: Die Columbine High School. Ende Oktober 1998 schrieb Harris:

    “Once I finally start my killing, keep this in mind, there are probably about 100 people max in the school alone who I dont want to die, the rest, MUST FUCKING DIE!” (ibid.: 94)

Harris beschrieb sich in seinem Tagebuch selbst als “rassistisch” und machte aus seiner Bewunderung fĂŒr die Nazis keinen Hehl:

    “I love the nazis too... by the way, I fucking cant get enough of the swastika, the SS and the iron cross. Hitler and his head boys fucked up a few times and it cost them the war, but I love their beliefs and who they were, what they did, and what they wanted.” (ibid.: 96)

Bereits Mitte November 1998 hatte er den April 1999 fĂŒr das Massaker ausgewĂ€hlt. Auch den Grund hierfĂŒr beschrieb er:

    “It’ll be very fucking hard to hold out until April... If people would give me more compliments all of this might still be avoidable... but probably not. Whatever I do people make fun of me, and sometimes directly to my face. I’ll get revenge soon enough. fuckers shouldn’t have ripped on me so much.” (ibid.: 96)

Die Tatsache, dass der Angriff auf die Schule am 20. April 1999, dem 110. Geburtstag Hitlers, stattfand, weckte sofort Spekulationen, dass Klebold und Harris diesen Tag absichtlich ausgewĂ€hlt hĂ€tten. Nach Erkenntnissen der Polizei wollten die beiden ihre Schule jedoch schon einen Tag frĂŒher (am Jahrestag der Massaker in Waco und Oklahoma City) attackieren. Weil sie jedoch noch mehr Munition benötigten, verschoben sie den Angriff dann auf den 20. April (vgl. Lowe 2000).

Eine der wenigen Möglichkeiten die sie hatten, um ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen, waren gewalttĂ€tige Computerspiele. Harris und Klebold waren leidenschaftliche Spieler von Doom, einem First-Person-Shooter. Per Modem hatten sie ihre Rechner miteinander verlinkt und spielten oft stundenlang in “Deathmatches” gegeneinander.

HĂ€ufig legen sich die Teilnehmer solcher Computerturniere Spitznamen zu. Dies war auch bei Harris und Klebold der Fall. WĂ€hrend Harris sich „REB“ (eine Kurzform fĂŒr „Rebell“) und „Rebdoomer“ nannte, wĂ€hlte Klebold den Namen „VoDKa“: Wodka war eines seiner LieblingsgetrĂ€nke, DK in der Mitte stand fĂŒr „Dylan Klebold“. Klebold schrieb die Worte „VoDKa Vengeance” (VoDKa Rache) auf einige der Rohrbomben, die er wĂ€hrend des Massakers benutzte (vgl. Gibbs/Roche 1999).

Harris entwarf sogar mehrere Level fĂŒr Doom und Doom 2, insgesamt mehr als elf (vgl. Bredel 2002: 338). In einem Schreiben an ID Software erkundigte er sich, ob PlĂ€ne fĂŒr ein Doom 3 oder einen Doom-Film bestĂŒnden. Zudem bot er sich der Firma als Leveldesigner an: “With my background and love for the game, I don’t think there are many people at all in the world who know more about Doom than I do”  (Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 712).

UACLabs

Szene aus Eric Harris’ U.A.C.Labs-Level fĂŒr Doom 2

Im August 1998 zĂ€hlte er unter den 25 fĂŒr ihn wichtigsten Dingen an erster Stelle Doom auf:

    “Doom is so burned into my head my thoughts usually have something to do with the game. Whether it be a level or environment or whatever. In fact a dream I had yesterday was about a “Deathmatch” level that I have never even been to.” (ibid.: 272)

Welche Bedeutung Doom fĂŒr ihn hatte, machte Harris auch am 15. MĂ€rz 1999 in einem selbstangefertigten Videoband deutlich. Den bevorstehenden Angriff auf die Columbine High School beschrieb er mit den Worten:

     â€œIt’s going to be like fucking Doom. Tick, tick, tick, tick
 Haa! That fucking shotgun is straight out of Doom!”

Bei diesen Worten kĂŒsste er seine abgesĂ€gte Schrotflinte, der er den Namen “Arlene“ gegeben hatte (vgl. Gibbs/Roche 1999). In seinem Tagebuch hatte er den Grund hierfĂŒr angegeben: Arlene Sanders ist eine Figur aus der Buchserie von Doom, welche die Schrotflinte besonders mochte. Harris hatte alle vier BĂ€nde der Serie gelesen (vgl. Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 98 und 712).

Zeichnungen

Zeichnungen von Eric Harris

Die beiden jungen Killer wurden zudem von mehreren Filmen inspiriert (vgl. Bredel 2002: 342f.). Zu Harris Lieblingsfilmen zĂ€hlten unter anderem Alien, Starship Troopers und Natural Born Killers (NBK). Laut Harris hatten die beiden ursprĂŒnglich vor, am Tag des Überfalls mit T-Shirts zu erscheinen, auf deren Vorderseite “NBK” aufgedruckt war (vgl. Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 427). Er und Klebold waren auch Fans des Films The Basketball Diaries (deutscher Titel: Jim Carroll - In den Straßen von New York), der auf dem gleichnamigen Roman von Jim Carroll beruht. In einer Szene dieses Streifens betritt der Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio sein Klassenzimmer und erschießt sechs seiner verhassten Klassenkameraden. Er ist gekleidet in einen langen, schwarzen Trenchcoat (vgl. Carter 1999). Harris und Klebold spielten diese Szene in einem Videoband nach (vgl. Kruttschnitt/Lutterbeck 1999).

Auch die von ihnen gehörten Musik-CDs beeinflussten ihr Verhalten. Eric Harris, der sich nebenbei etwas Geld in einer Pizzeria hinzuverdiente, soll seinen Arbeitskollegen dort CDs von Rammstein vorgespielt haben. Anschließend ĂŒbersetzte er ihnen Songtexte dieser Band vom Deutschen ins Englische. Zu seinen Lieblingsbands zĂ€hlte auch KMFDM. Harris hatte an seiner Zimmerdecke ein Poster von KMFDM, er selbst trug manchmal eine MĂŒtze und ein T-Shirt mit den Initialen “KMFDM” (vgl. Bartels/Crowder 1999). Auf seinem Computer fanden die Ermittler nach dem Massaker eine Datei namens KMFDM.doc. Hier hatte Harris unter der Überschrift “The shit list” die Namen all jener SchĂŒler notiert, die er zu seinen Feinden zĂ€hlte. DarĂŒber stand: “Kein mitleid fur die merheit” - seine Interpretation des Wortes KMFDM (vgl. Jefferson County Sheriff’s Office 2006: 934).

Die KMFDM-Titel “Son of a Gun” und “Stray Bullet” waren seine Lieblingssongs. Zu “Son of a Gun” schrieb er: “This song shows the way I feel about myself sometimes and it also gives me energy and adrenaline so I play this song before my soccer games and such.” Zu “Stray Bullet”: “I believe that this song describes my actions and thoughts the best” (ibid.: 638ff.). Wie sehr Harris von dieser Musik tatsĂ€chlich beeinflusst wurde ist jedoch umstritten. Sowohl Rammstein als auch KMFDM wiesen spĂ€ter jede Verantwortung fĂŒr das Massaker von sich (vgl. MTV.com 1999).

Wie war es nun möglich, dass zwei amerikanische Teenager fĂ€hig waren, ein so grauenhaftes Verbrechen zu verĂŒben? Es gibt einige starke Anhaltspunkte, wie zum Beispiel die stĂ€ndigen DemĂŒtigungen durch MitschĂŒler, Harris und Klebolds Vorliebe fĂŒr Waffen und Bomben sowie ihre Neigung zu gewaltverherrlichenden Computerspielen, Filmen und Songs. Beide waren psychisch labil, depressiv und erfĂŒllt von Hass. Beeinflusst durch die menschenverachtende Ideologie der Nazis glaubten sie das Recht zu haben, alle von ihnen verachteten und gehassten Menschen töten zu dĂŒrfen. Sie selbst wollten mit ihrer Tat soviel mediale Aufmerksamkeit erreichen wie das fiktive Killerpaar in dem Film “Natural Born Killers” und in die Geschichte eingehen. Dies ist ihnen leider auch gelungen.

 

Quellen:

Acolumbinesite.com (2006). “Eric Harris' Webpages.”

Bartels, Lynn & Crowder, Carla (1999). “Fatal Friendship.” RockyMountainNews.Com. 22. August 1999.

Berliner Zeitung (1999). Artikelserie ĂŒber Columbine. 22. bis 27. April 1999.

Bredel, Holger (2002). Skinheads – Gefahr von rechts? Berlin: Rhombos, 323-343.

BrinkbĂ€umer, Klaus (2000). “Die Gespenster von Littleton.” Spiegel Online. 17. Januar 2000.

Carter, Nick (1999). “Linking of 'Basketball Diaries,' Columbine shootings upsets author.” Journal Sentinel. 6. Mai 1999.

CNN.com (2000). “Official Columbine Shooting Report.” 15. Mai 2000.

Cullen, Dave (1999). “Kill Mankind. No One Should Survive.” Salon.com. 23. September 1999.

Gibbs, Nancy & Roche, Timothy (1999). “The Columbine Tapes.” Time Magazine. 20. Dezember 1999.

Greene, Susan (1999). “Teen Describes School Life Filled with Taunts, Abuse.” Denver Post. 24. April 1999.

Jefferson County Sheriff’s Office Report (2000).

Jefferson County Sheriff’s Office (Hrsg.) (Juli 2006). Columbine Documents. JC-001-025923 through JC-001-026859.

Kruttschnitt, Christine & Lutterbeck, Claus (1999). “Das angekĂŒndigte Massaker.” Stern 18/1999. 29. April 1999. S. 206.

Lowe, Peggy (1999). “Excerpts.” Denver Post. 14. Dezember 1999.

Lowe, Peggy (2000). “Facts Clarify but can’t Justify Killers’ Acts.” Denver Post. 12. MĂ€rz 2000.

Luzadder, Dan et. al. (1999). “Chilling Goodbye from Killers.” Denver Rocky Mountain News. 13. Dezember 1999.

MTV.com (1999). “KMFDM and Rammstein Speak Out about Columbine.” 23. April 1999.

Pankratz, Howard (2000). “Columbine Bullying no Myth, Panel Told.” Denver Post. 3. Oktober 2000.

Pooley, Eric (1999). “Portrait of a Deadly Bond.” Time Magazine. 10. Mai 1999.

 

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Letzte Aktualisierung am 18 MĂ€rz, 2012.


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